24. Okt 2013

Kreativ im Klassenzimmer

Der Wettbewerb um die besten Noten und ein proppevoll gepackter Lehrplan sind die größten Hemmschuhe für ein kreatives Lernen an deutschen Schulen. Außerdem lassen standardisierten Lehrmethoden kaum Freiraum für alternierende Lösungen und die vielmals trist erscheinenden Klassenzimmer liefern keine inspirierende Arbeitsatmosphäre. Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Schülerumfrage unter Schülern, durchgeführt von Leonard Sommer. Der Karlsruher Geschäftsführer einer Werbeagentur hat sich im Rahmen seiner Masterarbeit an der Berlin School of Creative Leadership mit dem Thema „Förderung der Kreativität in Klassenzimmern. Was Schulen von der Kreativwirtschaft lernen können“ auseinandergesetzt. Eigentlich wollte er beim berufsbegleitenden Masterstudiengang zunächst ein Werbethema für die Abschlussarbeit auswählen. „Aber im Bildungssystem läuft liegt so viel im Argen, das hat mich nicht mehr losgelassen“, so der zweifache Vater. Also arbeitete sich Sommer ein halbes Jahr lang intensiv in die Materie ein und suchte nach praxisorientierten Lösungen aus dem derzeitigen Dilemma. „Am Ende sollte auf keinen Fall ein reformpädagogischer Ansatz für die Oberschicht stehen“, so Sommers Vorgabe bei der Entwicklung von Ideen für ein funktionsfähiges Schulkonzept.

Auf der Suche nach tragfähigen Ansätzen bediente sich Sommer bei renommierten Bildungsexperten wie dem Harvard-Professor David Perkins oder Patrick Newell, Gründer der innovativen Tokio International School. Außerdem beschäftigte sich Sommer mit etlichen internationalen Studien zum Thema Bildung. In Australien gab es etwa eine Erhebung, die besagt, das über die Hälfte der Kinder, die heute zur Schule gehen, später einmal in einem Beruf arbeiten werden, den es heute noch gar nicht gibt. „Wie kann ein Schulsystem, das sich seit der Erfindung der Dampfmaschinen kaum verändert hat, Kinder auf die heutigen kreativen Herausforderungen einer veränderten Wertschöpfung vorbereiten?“, so Sommers bewusst provokant gewählte These.

Um die Schulen den geänderten Herausforderungen anzupassen, müssen seiner Ansicht nach einige Stellschrauben verändert werden. Vorbild für eine Optimierung könnte in diesem Fall die Kreativwirtschaft sein. Beim Internet-Konzern Google konnten die Mitarbeiter bis vor Kurzen noch 20 Prozent ihrer Arbeitszeit in die Entwicklung von eigenen Projekten investieren. Ein ähnlicher Ansatz schwebt Sommer auch für das Lernen an deutschen Schulen vor. Nur noch 50 Prozent der Zeit sollten nach dem Prinzip „Wissen was“ der reinen Wissensvermittlung dienen, 30 Prozent unter dem Schlagwort „Wissen wie“ für Projektarbeit aufgewendet werden. Und 20 Prozent könnten getreu dem Motto „Leidenschaft zu wissen“ in die Förderung individueller Talente investiert werden. „Das eine Kind will tanzen, das andere malen, das dritte interessiert sich für Technik. Sie alle sollen sich in diesen Bereichen verwirklichen dürfen und individuell gefördert werden“, so Sommer. Speziell bei diesem Ansatz könnten die Ganztagesschulen eine wichtige Rolle übernehmen und den Kindern auf der Suche nach ihren Vorlieben freie Wahl lassen.

„Change Framework“ hat Sommer sein visionäres Konzept zur Förderung des kreativen Denkens an weiterführenden Schulen betitelt und auch die Lehrer müssten künftig ihre Aufgaben neu definieren und als Wissensvermittler, Moderator und Motivator gleichermaßen agieren. Und Noten wird es in der Sommerschen Schulutopie auch nicht mehr geben. Durch kleine Veränderungen könne die Lernkultur grundlegend verbessert werden, plädiert Sommer; und zwar „frei von Ängsten, frei von Versagen. Einfach frei, ich selbst zu sein“.

Wer sich für die gesamte Master´s Thesis interessiert, die Leonard Sommer im Rahmen seines dreijährigen EMBA Studiums an der Berlin School of Creative Leadership entwickelt hat, kann diese direkt bei ihm unter leonard@sommer-sommer.com anfordern.

(Clipping: Badische Neueste Nachrichten, Karlsruhe, Autor: Ekart Kinkel)